Jeder möge sein eigener Geschichtsschreiber sein, dann wird er sorgfältiger und anspruchsvoller leben.

(Bertholt Brecht)

 Meine Story

Bevor ich das erste Mal schwanger wurde, arbeitete ich in einer kleinen Agentur. Keine der fünf Mitarbeiterinnen hatte Kinder. Ich war in der elften Woche, da ließ ich endlich die „Schwangerschafts-Bombe“ platzen. Die Reaktion meiner Chefin war viel weniger schlimm, als gedacht. Bis zum nächsten Morgen. An die schwierige Zeit, die darauf folgte, erinnere ich mich zwar nicht gern zurück, aber ich kann heute davon erzählen, ohne dass ich einen Kloß im Hals bekomme.

Die ersten Monate meiner Elternzeit genoss ich sehr. Aber nach einiger Zeit wurde ich unruhig. Wollte ich wirklich dorthin zurückgehen? Zumal ich, aufgrund der Unternehmensgröße (< 5 Mitarbeiter) auch formell kein Recht auf eine Teilzeitstelle gehabt hätte.

Was war also der Plan B? Bewerbungen-Schreiben. In den folgenden Monaten kassierte ich eine Absage nach der anderen. Zu gut ausgebildet, zu schlecht ausgebildet, zu wenig Erfahrung, zu wenig Stunden – Teilzeitstellen? Fehlanzeige.

Endlich ein Lichtblick: Ein Bekannter bot mir einen Job bei einem ziemlich neuen Content-Format an. Ich hatte noch nicht mal den Vertrag unterschrieben, da stieg ich schon voll in ein Podcast-Projekt ein. Leider kam der Vertrag nie zustande, denn das Podcast-Projekt wurde eingefroren.

Mein Wiedereinstieg nach der Elternzeit

Nach weiteren Enttäuschungen und kleineren ehrenamtlichen Projekten, war es mein tolles Netzwerk, das mich erneut auffing. Ein alter Schulfreund hatte gerade mit einem Entwickler ein Software-Start-Up gegründet und suchte noch Unterstützung beim Markenaufbau. Er stellte mich, ohne groß zu zögern, unbefristet und in Teilzeit ein.

Die ersten Monate in dieser Doppelrolle waren sehr spannend, aber auch kräftezehrend. Alles in Allem lief es nach dem verfluchten ersten Kita-Winter gut. Ich hatte einen Job gefunden, bei dem ich mich fachlich weiterentwickeln konnte, ein sehr nettes Team hatte und darüber hinaus auch noch flexibel arbeiten konnte, sodass ich auch Zeit mit meinem Sohn Wim verbringen konnte. Doch das sollte nicht lange so bleiben.

Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke

Nummer Zwei war auf dem Weg. Doch wie in einem Start-Up nicht untypisch, durft man das Wort „Sicherheit“ kaum laut aussprechen. Investoren sprangen ab und die Stelle als Marketing Manager war die erste, die eingespart werden musste. Auf einen zerrenden Rechtsstreit hatte ich werder die Lust noch die Kraft und zu diesem Zeitpunkt liebäugelte ich auch bereits mit meiner Selbstständigkeit.

Mit der Geburt meines zweiten Sohnes Emyl ist auch Y-Stories geboren. Ein Hybrid aus Storytelling, das meiner Leidenschaft für Medien und Geschichten(-Schreiben) entwachsen ist, und Personal Branding. Das Ypsilon habe ich da eingeschmuggelt, weil er mein Lot und meine Mitte ist und mir immer wieder zeigt, warum ich jeden Morgen aufstehe und dass es mehr als einen Weg gibt.

Wenn ich mit etwas Abstand auf diese Zeit blicke, dann liegt mir auf der Zunge, dass „Alles aus einem bestimmten Grund passiert“ war. Besser gefällt mir jedoch der Songtext von Flo Mega, der mir beim Schreiben immer wieder im Kopf herumträllerte: „wer nicht vom Weg abkommt bleibt auf der Strecke“.